Gammapy als offizielle Analysesoftware für CTA ausgewählt

Die Analyse von Beobachtungsdaten in der Gammastrahlenastronomie erfordert spezielle Analysemethoden und Software, um die höchstmögliche Empfindlichkeit vor dem Hintergrundrauschen der geladenen kosmischen Strahlung zu erreichen. Traditionell gehörten sowohl die Daten als auch die entsprechende Analysesoftware den die Instrumente betreibenden Kollaborationen und waren oft nicht öffentlich zugänglich. Das zukünftige Cherenkov Telescope Array (CTA) wird jedoch als offenes Observatorium betrieben werden, mit öffentlichem Zugang zu den Beobachtungsdaten für wissenschaftliche Nutzer, zusammen mit offen zugänglicher Analysesoftware.

Im letzten Jahrzehnt hat sich die Programmiersprache Python als neuer Standard in der Analyse wissenschaftlicher Daten etabliert und es hat sich ein ganzes Ökosystem von Open-Source-Softwarepaketen um sie herum entwickelt. Diese Softwarepakete decken alle Bereiche ab, wie z.B. Biologie, Geowissenschaften, Chemie und Astronomie, und werden von Millionen von Forschenden weltweit für ihre tägliche Arbeit genutzt. Sie sparen durch die gemeinsame Nutzung von Software nicht nur Zeit, sondern nutzen auch gemeinsame Softwareprojekte, um sich mit Kollegen auszutauschen und fächerübergreifend zusammenzuarbeiten.

Inspiriert von dieser Bewegung starteten Christoph Deil und Axel Donath vom MPIK 2012 ein Open-Source-Python-Paket für die Analyse von Gammastrahlendaten namens Gammapy. Es wurde als Prototyp für eine zukünftige CTA-Analysesoftware entwickelt, aber auch im Hinblick auf eine gemeinsame Nutzung von verschiedenen Gruppen in der Gammastrahlenastronomie. Mit einer gemeinsamen Analysesoftware ist es außerdem möglich, die Daten von mehreren Instrumenten für insgesamt präzisere Messungen zu kombinieren. Gammapy wird offen auf der Plattform GitHub entwickelt. Es ist ständig gewachsen und hat im Laufe der Zeit Beiträge von ~70 verschiedenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ~10 verschiedenen Ländern gesehen.

In den vergangenen Jahren kam Gammapy bereits erfolgreich für die Analyse von Daten der bestehenden abbildenden atmosphärischen Tscherenkow-Teleskope wie H.E.S.S., MAGIC und VERITAS zum Einsatz und wird zunehmend für Teilchendetektoren wie HAWC verwendet. Gestern wurde Gammapy vom CTA-Observatorium offiziell als "Science Tools" angenommen. Partner aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien haben den erfolgreichen Vorschlag formell unterstützt. Mit dieser Rolle wird Gammapy zukünftig von vielen weiteren Gammastrahlenastronomen genutzt werden und dazu beitragen, die Kombination von Daten aus mehreren Observatorien zu vereinfachen und einen neuen Standard für offene und reproduzierbare wissenschaftliche Analysen in der Gammastrahlenastronomie zu etablieren.


Kontakt

Prof. Dr. Jim Hinton
Tel.: +49 6221 516-140
E-Mail: jim.hintonmpi-hd.mpgde

Dr. Axel Donath
Tel.: +49 6221 516-510
E-Mail: axel.donathmpi-hd.mpgde


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Gammapy-Entwickler bei einem Treffen 2019.